Wilde Nutten - Eine Nacht bei Gunn’s – Teil I



Es gab zu dieser Zeit in Chicago keinen feineren Puff als Mama Gunns. Theresa Gunn hatte aus dem heruntergekommen Hotel, dass sie von ihrem Ehemann Carl geerbt hatte, ein erstklassiges Etablissement gemacht, mit ansehnlichen und sauberen Zimmern, einer Bar, in der sich sogar Ladies der Gesellschaft blicken hätten lassen können, und mehreren Ballsälen, in denen sich die feinen Pinkel in Gruppen vergnügen oder einfach nur zusehen konnten. Die Mädchen bei Mama Gunn waren allererste Sahne, man munkelte, dass sich so manche unbefriedigte Dame der Gesellschaft tageweise daruntermischte, was die Preise astronomisch in die Höhe trieb, denn es gab nur wenige hart arbeitende Kerle, die es einer hochnäsigen Lady nicht gerne mal besorgt hätten, und bereit waren, für dieses Vergnügen ordentlich zu blechen. An diesem Abend gab es was zu feiern. Bianchi, McBaine und Jess hatten 20 Fässer feinsten Irischen Whiskey sicher bei den de Lupos untergebracht und nun die Taschen voller Geld. Und wo ließe es sich besser loswerden als in Gunns Puff? Theresa begrüßte die Drei so erfreut wie immer. Sie war schon über 50, aber immer noch ein Prachtweib, die es sich nicht nehmen ließ, jeden ihrer Gäste so zu behandeln, als wäre er der sprichwörtliche verlorene Sohn. Nachdem sie jeden der Jungs an ihren üppigen Busen gedrückt hatte, brachte sie sie höchstpersönlich an die Bar, an der der Champagner schon in Strömen floss. Woher sie das Zeug nahm, nachdem die Cops Lieferungen aus dem Ausland in letzter Zeit immer schärfer kontrollierten, würde wohl für immer ihr Geheimnis bleiben. Wahrscheinlich hatte es damit zu tun, dass nicht nur der Polizeichef, sondern auch einige namhafte Senatoren zum Kreis ihrer verlorenen Söhne gehörten. Für Jess, Bianchi und McBaine war es jedoch kein Champagner – der war für die Weiber. Sie hielten sich lieber an guten alten Bourbon. Das Glas in der Hand blickten sie sich in der Bar um. Sie war voll und verraucht. Unter dem riesigen Kronleuchter tanzten einige Mädchen in Paaren zu den Klängen der hauseigenen Jazzband. In den dicken Sesseln saßen Männer in teuren Anzügen, die ihnen dabei zusahen. Ein paar hatten schon eine oder zwei Nutten auf dem Schoß, einer, im Frack, der weiter hinten in der Ecke saß, ließ sich von seiner gerade bedienen. Bianchi, der es wie alle Italiener immer sehr eilig hatte, hatte die Hand schon auf dem Prachtarsch einer üppigen Rothaarigen, die sich eng an seine Brieftasche drückte. Sie war fast einen halben Kopf größer als er, und Bianchi sah so aus, als wäre er am liebsten zwischen ihren Titten verschwunden, was er auch ohne weiteres hätte tun können. McBaine, der Schotte, hatte sich inzwischen eine Blondine mit kühlem Blick ausgeguckt, nur Jess wusste nicht so richtig, was er mit sich anfangen sollte. Er war der Jüngste der Drei, ein hübscher Bursche mit dunklem Teint und Samtaugen, die darüber hinwegtäuschten, dass er auch der Härteste des Trios war. Eine Kindheit auf der Straße geht eben an keinem spurlos vorüber. Nur wenn es um Weiber ging, war er so linkisch und schüchtern, wie man es von einem Kerl in seinem Alter erwarten konnte. Bonnie, McBaines Blondine, bemerkte Jess’s Dilemma und winkte, ganz gute Gastgeberin, eines der tanzenden Pärchen herbei, einen schwarzen Bubikopf mit Elfenbeinhaut, der sich als „Lou“ vorstellte, und eine kleine, wohlproportionierte Brünette, die hier „Thelma“ hieß. Sie nahmen Jess in die Mitte, und ließen sich erstmal einen ausgeben. Dann schlug die Rothaarige vor, die Zimmer zu wechseln, um sich ein bisschen besser „unterhalten“ zu können. Ohne weiteres Federlesen schleppten die Mädchen die Drei in ein feines Separee im ersten Stock. Plüschige Sessel und Liegen, Kissen auf dem Boden und eine kleine Bar mit gutem Stoff in der Ecke.

Autor dieses Artikels: Der Admin
Eingereicht am: 2007-10-22


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